Victoria ist Anwältin in Paris, Ende 30, alleinerziehend, hat ein lockeres Sex-Leben und ist charmant-egozentrisch. Bei einer Hochzeit trifft sie ihren guten Freund Vincent sowie Sam, einen Klein-Dealer, den sie vor einiger Zeit verteidigt hat. Tags darauf steht Vincent unter Anklage wegen versuchten Mordes an seiner Freundin. Einziger Zeuge ist der Dalmatiner des Opfers. Widerwillig übernimmt Victoria seine Verteidigung. Als sie dann auch noch Sam als Au Pair Boy einstellt, nimmt das Chaos in Victorias Leben seinen Lauf.

Frankreichs Darling Virginie Efira (BIRNENKUCHEN MIT LAVENDEL) spielt in diesem temporeichen, herrlich neurotischen Portrait eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs. Die unkonventionelle Rom-Com VICTORIA - MÄNNER & ANDERE MISSGESCHICKE von Regisseurin Justine Triet eröffnete in Cannes die Semaine de la Critique und avancierte in Frankreich zum Überraschungshit.

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Um an dem Gewinnspiel teilzunehmen, schicken Sie uns bis
zum 15. Mai 2017 die Antwort an gewinne@victoria-derfilm.de

Teilnahmeschluss ist der 15. Mai 2017. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung der Preise ist nicht möglich.
Mitarbeiter der veranstaltenden Firmen sowie angeschlossener Agenturen und allgemeine
Gewinnspielservices sind nicht zur Teilnahme berechtigt.

Warum eine Komödie?
Weil ich glaube, dass ich so auf charmantere Weise von meinen Obsessionen erzählen kann – den schwierigen Beziehungen zwischen Männern und Frauen, Einsamkeit, Kinder, Justiz, Geld, Sex. Man könnte sagen, dass mir dieses Genre eine größere Distanz erlaubt. Ich wollte das Porträt einer Frau drehen, die man erst ganz allmählich kennenlernt, jede Schicht für sich. Eine Frau, deren problematisches Sexleben von anderen Sachen zugedeckt wird: die Strafverteidigung eines alten Freundes, den Nachstellungen durch ihren Ex.
VICTORIA – MÄNNER & ANDERE MISSGESCHICKE handelt nicht von einem armen unschuldigen Ding und ist auch nicht die Chronik ihres Liebeslebens. Es ist die Geschichte einer komplizierten Frau, die sich in einem emotionalen Ausnahmezustand befindet, der durch ihre berufliche Situation noch verstärkt wird. Wie die Arbeit das Privatleben durchdringt – auch davon erzählt der Film. Mein Ehrgeiz bestand darin, all das zu zeigen: wie Victoria zu Fall kommt, aber auch, wie sie sich selbst wieder aufrichtet.

Hatten Sie Vorbilder? VICTORIA – MÄNNER & ANDERE MISSGESCHICKE erinnert stark an bestimmte US-Komödien…
Ja, unbedingt. Howard Hawks, Billy Wilder und Blake Edwards, auch Sacha Guitry haben mich sehr inspiriert. Vor allem Guitrys Film DÉSIRÉ mit seinem angespannten Klassenverhältnis, in dem sich Hausdiener und Herrin gegenseitig verführen. Aber ich habe mich auch von James L. Brooks’ Filmen inspirieren lassen, die ich erst spät entdeckt habe. SPANGLISH oder WOHER WEISST DU, DASS ES LIEBE IST? mag ich sehr. Ich habe zwar ein bisschen gebraucht, um mich mit der Komödie anzufreunden. Inzwischen stehe ich aber selbst auf Comedy-Serien wie „Silicon Valley“ und – man darf es kaum zugeben – die Sitcom „Mom“, die meiner Meinung nach den Genre-Mix von Komödie und Drama so großartig hinbekommt wie keine andere Serie. Jedenfalls hat sie mir die Augen dafür geöffnet, wie weit man beim Erzählen von düsteren, trashigen Dingen gehen darf, solange man es mit Humor tut.

Es zieht sich ein komischer roter Faden durch den Film, und das sind die Treffen, bei denen Victoria sich Rat von ihrer Freundin holt, von Seelenklempnern, einer Hellseherin, einem Akupunkteur…
Beim Schreiben war es mir wichtig zu zeigen, dass Victoria ihr Herz immer wieder den falschen Menschen und am falschen Ort ausschüttet. Den Kerlen, mit denen sie eigentlich schlafen sollte, erzählt sie von ihren beruflichen Ängsten; einer Klientin, die sie eigentlich verteidigen sollte, von ihrem Ex; ihrem zweiten Psychiater von ihrem ersten usw. Es besteht ja häufig eine große Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Rolle eines Menschen und dem, was er wirklich tut. Ich habe versucht, die dramatischen Aspekte des Films in eine Komödie zu verwandeln und aus diesem Widerspruch etwas Lustvolles zu zaubern.

Aber VICTORIA – MÄNNER & ANDERE MISSGESCHICKE benutzt schon die Muster der romantischen Komödie, oder nicht?
Ja, mit dem Unterschied, dass das, was die Figuren bei mir sagen, häufig viel grausamer ist als das, was man normalerweise in romantischen Komödien zu hören bekommt. Das gilt auch für die sozialen Unterschiede. Ich finde, dass die letzte Sequenz die Ambivalenz des Films gut widerspiegelt. Wir befinden uns nämlich auf halber Strecke zwischen Romantik und Zynismus, wenn Victoria, die alles verloren hat, Sam ihre Liebe eingesteht, und der plötzlich anfängt, mit ihr zu schachern und zu feilschen.

Außerdem spielen Sie mit den Mustern eines weiteren Genres, nämlich des Gerichtsfilms.
Stimmt. Ein paarmal erweise ich sogar Otto Premingers ANATOMIE EINES MORDES meine Reverenz, etwa mit dem kleinen Hund im Zeugenstand oder mit der Unterwäsche. Trotzdem ist VICTORIA – MÄNNER & ANDERE MISSGESCHICKE alles andere als ein realistischer Gerichtsfilm, und das haben wir den Tieren zu verdanken. Meine Geschichte basiert ja auf einer wahren Begebenheit, dem Fall einer Frau, die erhängt aufgefunden wurde, und ihres Dalmatiners, mit dem Tests gemacht wurden, weil man herausfinden wollte, wie er auf die Gerüche der verdächtigen Verwandtschaft reagiert. Dank dieser Geschichte entwickelt sich VICTORIA – MÄNNER & ANDERE MISSGESCHICKE nicht in Richtung zwielichtiger Sexskandal. Wenn Victoria bei ihrem Plädoyer förmlich neben sich steht und beinahe in Ohnmacht fällt, während sie die Glaubwürdigkeit des Hundes in Zweifel ziehen will, ist das einfach nur noch komisch – weil dabei die Grenze zwischen Absurdität und Realismus völlig verschwimmt. Zudem fand ich es wichtig, dass Victoria nicht bloß Opfer ist. Als Anwältin ist sie sehr ehrgeizig, und das half mir, den Zynismus herauszuarbeiten, der typisch ist für ihren Berufsstand. Ich weiß, wovon ich rede, denn während der Arbeit am Drehbuch habe ich mit vielen Anwälten gesprochen.

Zwischen den Zeilen handelt der Film eindeutig von Sex.
Ja, es wird sehr oft über Sex geredet, aber zu sehen ist fast nichts. Im Grunde ist der Film eine Satire über Sex und Beziehungen. Vincent hat sexuelle Probleme mit seiner Freundin, die ihn des versuchten Mordes beschuldigt. David legt in seinem Blog Victorias vergangenes Sexleben offen. Und Victoria besucht eine Hellseherin und ein paar Seelenklempner, die ihr Mut machen, es mal wieder mit Sex zu versuchen. Sie lässt sich darauf ein, doch jedes neue Treffen ist trauriger als das davor. Im Film ist das natürlich lustig, es zeigt aber auch die große Einsamkeit der Körper. Und das obskure Objekt der Begierde entpuppt sich letzten Endes als die Person, die diskret, vorsichtig und beinahe jungfräulich geblieben ist, nämlich Sam.

Was können Sie über die Rolle von Sam sagen?
Er ist Krankenschwester und Schutzengel zugleich und somit die geheimnisvollste Person des Films. Er arbeitet für Victoria und ist mit den intimsten Dingen ihres Lebens vertraut, was umgekehrt allerdings nicht gilt. Er wird an ihrer Seite reifer, saugt so viel wie möglich auf. Obwohl er sich angesichts ihres fragilen emotionalen Zustands immer mehr zur wichtigen Stütze entwickelt, beachtet sie ihn kaum. Andererseits wächst ihre Vertrautheit in dem Maße, wie er ihr bei ihren Fällen zu helfen beginnt. Und am Ende verlieben sie sich ineinander – wobei schon ein bisschen Zynismus mit im Spiel ist, denn Geld spielt dabei ja auch eine Rolle.

Warum haben Sie sich für Virginie Efira entschieden?
Die Frau, die Victoria spielen sollte, musste brillant sein, witzig und melancholisch. Ich hatte Virginie in IT-BOY – LIEBE AUF FRANZÖSISCH gesehen und fand sie darin absolut genial. Aber ich muss gestehen, dass es letztlich die Realitysendung „Rendez-vous en terre inconnue“ (etwa: Begegnung auf fremdem Terrain) war, in der ich mich in sie verliebt habe. Als wir uns dann trafen, lernte ich eine konzentrierte, intelligente und urkomische Frau kennen. Wenn sie spielt, merkt man Virginie ihre Intentionen nie an. Sie wirkt so hinreißend, weil sie mit ihren Mitteln sehr ökonomisch umgeht.

Und Vincent Lacoste?
Mir war schnell klar, dass ich ihn Virginie an die Seite stellen würde. Er wirkt so wunderbar arglos und strahlt auch eine gewisse Anmut aus – für mich war er der einzige, der diese Rolle spielen konnte. Mir war auch wichtig, dass er in der zweiten Hälfte des Films sexualisiert wird. Er sollte zwei Gesichter haben: zunächst das eines Schluffis, der aber mit der Zeit männlichere Züge entwickelt. Über den Altersunterschied habe ich mir eigentlich keine Gedanken gemacht. Trotzdem fand ich es spannend, dass der Mann, dem sich Victoria zuwendet, jung und unbedarft ist.

Mit der Besetzung der Nebenrollen haben Sie sich ebenfalls große Mühe gegeben.
Melvil besitzt eine Unschuld à la Cary Grant, hinter der jedoch möglicherweise perverse Züge lauern. Jedenfalls war er perfekt für die Rolle des Angeklagten. Laurent Poitrenaux spielt zwar den angsteinflößenden Ex, aber gleichzeitig wirkt er dank seines nerdigen Aussehens irgendwie auch witzig. Genau wie Laure Calamy, die Verrückte von der Anwaltskammer.

Wie arbeiten Sie eigentlich mit Ihren Darstellern? Ihr Spiel zeichnet sich stets durch große Authentizität aus.
Ich glaube, dass ich die Darsteller mit meinen Ohren anleite – damit meine ich, dass ich ihnen eher zuhöre als zusehe. Andererseits ist die richtige Besetzung schon die halbe Miete, und dann kommt es natürlich auf die Atmosphäre an, die am Set herrscht. Ich habe kein Standardrezept. Ich versuche, eine gewisse Spannung zu erzeugen und sie dann zu halten, damit die Leute mir nicht einschlafen. Und wenn die Kamera läuft, probiere ich gern unterschiedliche Dinge aus, damit sich keine Routine einschleicht. Eine große Hilfe war mir dabei Cynthia Arra, die nicht nur fürs Casting zuständig war, denn ich habe sie intensiv in die Arbeit mit den Schauspielern mit einbezogen. Sie hat sie keine Minute aus den Augen gelassen.

Könnte man sagen, dass VICTORIA – MÄNNER & ANDERE MISSGESCHICKE ein fröhlicher Film zum Thema Depression ist?
Ich würde ihn eher als verzweifelte Komödie über das chaotische Leben einer modernen Frau bezeichnen.

Besetzung Stab
Victoria Virginie Efira Regie & Drehbuch Justine Triet
Sam Vincent Lacoste Kamera Simon Beaufils
Vincent Melvil Poupaud Schnitt Laurent Sénéchal
David Laurent Poitrenaux Szenenbild Olivier Meidinger
Christelle Laure Calamy Kostüm Charlotte Vaysse
Eva Alice Daquet Ton Julien Sicart,
Olivier Touche,
Simon Apostolou
    Casting Cynthia Arra
    Regieassistenz Guillaume Huin
    Produzent Emmanuel Chaumet
    Produktionsleitung Claire Trinquet